Weihnachten III

(Wahre Begebenheit)

„Was haltet Ihr davon? Wir verlegen Weihnachten einfach auf den 20. Dezember.“
Die Tochter schaut erst ungläubig, doch plötzlich hellt sich Ihr Gesicht auf. „Genau, das ist doch d i e Lösung! Einfach alles ein paar Tage vorverlegen. Tun wir so, als wäre es der 24.“
In unserer Familie hat keiner ein Problem damit, diesen Feiertag einfach zu verlegen. Und es gibt einen plausiblen Grund: Die Tochter muss am 22.12. wieder in England Ihren Job antreten. So hat Sie in Deutschland nichts vom Fest und in England dazu keine Zeit.
Nun liebt meine Tochter Geschenke über alles, so dass Ihr dieser Vorschlag schon mal Hitzewellen vor lauter Freude beschert.
Ich blicke in die Familienrunde, nur frohes Nicken. „Gut, packen wir es an und die Geschenke ein“ schlage ich vor.
Ich bin sicher, vor uns hat bestimmt noch niemand diesen Versuch gewagt. Zum Fest gehören nun mal auch die typischen Gefühle, wenn die Geschenke ein- und kurze Zeit später wieder ausgepackt werden. Der Geruch von Anis, Zimt, Räucherkerzen, Apfelsinenschalen, Erdnussschalen auf dem Teppich und Rumtopf für alle Erwachsenen, machen erst das Fest zum „Fest der Familie und der Liebe“, oder etwa nicht? Wird sich das alles einstellen? Die Spannung steigt!
Nur noch einen Tag Zeit! Jetzt muss straff organisiert werden und trotzdem soll auch Raum für Vorfreude bleiben.
Bereits zwei Stunden später dringt aus der Küche der intensive Duft vom Sauerkraut. Traditionell gibt es am 24.12. Bratwurst, Sauerkraut und, das ist ein Muss, handgeschlagenen Kartoffelbrei.
Am nächsten Morgen wird der Baum geschmückt. „Er glitzert wieder wie ein Diamant!“ Der Sohn ist begeistert, auch wenn er wegen Neu-Weihnachten auf eine Party verzichten muss.
Schwibbogen und Räuchermänner aufstellen, erste Räucherkerze anzünden. Oh und ah! Weihnachten duftet heran. Die Geschenke, gut verpackt, rauschen ins Zimmer und unter den Baum.
„Finger weg vom Rumtopf! Erst nach dem Essen!“, sagt meine stets aufmerksame Frau zu mir. Bin glücklich, ist es doch genau so wie in jedem Jahr!
Pünktlich 16:00 Uhr dampft das Essen auf den Tellern, Peter Schreyer singt: „Es ist ein Ross entsprungen“ und jeder fühlt, ja, jetzt ist Weihnachten.
Mein Sohn fragt: Ob alle anderen eigentlich wissen, dass in diesem Jahr Weihnachten eher ist?
Meine Tochter sagt: Ihr habt’s gut, Ihr könnt in diesem Jahr zweimal Weihnachten feiern!
Ich sage auch etwas: Aber dann ist es nicht mehr so schön, Du bist weg und der Rumtopf leider auch schon alle!
Es war ein schönes Fest, wie in jedem Jahr!
Was ich jetzt überlege, ist, ob sich da nicht eine Marktlücke öffnet?
WeihnachtsfestVerlegungsOrganisation - „Wir bringen Ihnen im August den Weihnachtsmann ins Haus!“
Das wär’ doch mal was!

DD, 7.11.2003 / M.R.

 

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