| Spitzensalat am Weihnachtstag |
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(eine wahre Geschichte) Festtage haben immer etwas Besonderes an sich. Logisch, sonst wären es ja Tage wie andere auch. Nur an manchen passiert nie etwas Aufregendes, so wie z.B. am Muttertag, außer, dass sich die Mutter vielleicht innerlich aufregt, wenn der Vater , also ihr Mann, keine Blumen schenkt. Ja, Weihnachten ist das anders! Meistens, und bei den meisten. Nehmen wir nur mal den Weihnachtsbaum, meinen Weihnachtsbaum. Es war vor vielen vielen Jahren. Da gab es auch schon Weihnachtsbäume. Zugegeben, ein „paar“ Tage eher als heutzutage und auch nicht ganz so makellos, wie die Nordmanntannen jetzt bei uns vor dem Konsum, trotzdem, schön auf ihre Art waren sie alle. Bin extra eine halbe Stunde eher aus dem Büro gegangen. Abmelden konnte ich mich nicht, waren alle extra an diesem Tag etwas eher gegangen. Hilde hatte gesagt: „ Neben dem Cafe „Quick“ hamse Bäume gekriecht.“ Was für Bäume hat sie nicht gesagt, aber es hat auch keiner gefragt. Ich stellte mich hinter die dicke Annerose in die Warteschlange, der Ordnung halber. Unruhig wurde keiner, lag ja genug Grün herum. Als ich an der Reihe war, durfte ich mir meinen Baum aussuchen, also nicht irgendeinen Baum, nein, einen richtig schnuckligen Weihnachtsbaum. Für den Fall, dass an einem der Bäumchen vielleicht ein kleiner Ast fehlte oder beim langen Transport aus dem Erzgebirge abgebrochen war, konnte man sich einen Holzbohrer ausleihen. Kostete nischt. Mehrere hatten solche Holzbohrer in der Hand, wohl schon von zu Hause mitgebracht. Diese Pessimisten. Klar, dass ich auch „meinen“ Baum fand und stolz aufs Trabidach schnallte. Wäre meine Frau bereits zu Hause gewesen, als ich durch die Wohnungstür schritt, sie hätte vor Freude aufgeschrien. Also aufgeschrien hätte sie bestimmt. Aber sie war zum Glück leider nicht da. Noch drei Tage bis zum Fest! Und der Baum war auch schon gekauft, schief gehen konnte nun nichts mehr. Um die effektive Lebensdauer dieses genadelten Gesellen maximal zu erhöhen, band ich ihn an einen Strick und hängte ihn zur Hofseite aus dem Schlafzimmerfenster. Kurz bevor ich einschlief, stieß ich mein Weib an. „Ich hab ihn.“ „Wen hast Du?“ fragte sie schon im ersten Schlaf. „Na ihn, unseren Weihnachtsbaum. Sie nur, da am Fenster der Strick, da hängt er dran, in der frischen Winterluft.“ „Auf Dich ist eben jedes Jahr Verlass“, sprach sie und fing leise an zu schnarchen. Drei Tage später. Die Minuten bis zur Bescherung waren minutiös verplant. Ha, nur um einen Baum musste ich mich nicht mehr kümmern. „Los geht’s, Baum in den Ständer, Kugeln dran, bringe dir dann gleich Dein „Radeberger“, Lichterketten drum und mach mir keine Schweinerei auf dem neuen Teppich.“ Nach diesem Spruch hatte ich das wunderbare Gefühl, das einen überkommt, der das Zielband mit dem Spruch „Bescherung“ direkt vor sich sieht. Anorak an, Fenster auf, es hatte nachts geschneit, und hochgezogen. Den Strick und ..... Was und? Da war kein „und“, nein da war gar nichts. Mit weit geöffneten Pupillen schaute ich in die winterkalte Tiefe des Hofes. Nichts außer grauer Schnee. „Ich geh mal kurz runter. Brauchst Du was aus dem Keller?“, fragte ich mit forscher Stimme. „Mach erst den Baum, kannst dann gleich die ersten Nadeln mit runter nehmen“, sagte sie mit noch ruhiger, aber bestimmter Stimme. Auch auf die begründete Gefahr hin, dass es Ärger gibt, ging ich aus der Wohnung. Den Anorak hatte ich noch an, nur die Badelatschen passten irgendwie nicht dazu. Weihnachten ist eben vieles anders! Im Hof lag nichts. Nur der Deckel einer Mülltonne stand ein wenig offen und ich sah ... - ach Du liebe Güte!- Weihnachten ferner denn je. Als ich dieses Restgerippe von einem ehemals schön gewachsenen, nein will ehrlich sein, furchterregendem Nadelbaum, sah, taten mir zwei Dinge furchtbar leid. Eins davon war ich. Naja, dachte ich, wenigsten hat niemand seine heiße Asche drübergekippt und, als ich ihn gegen das Licht des Stubenfensters von Frau Eisenbein hielt, sah er richtig gut aus. Nur eins fehlte: Die Spitze. Wie und vor allem wo sollte ich nun unsere mundgeblasene Lauschaer Baumspitze befestigen? Was wäre, wenn ich jetzt ausrutschte und mir ein Bein bräche? Meine Frau wäre froh, dass mir nicht mehr passiert ist. Von einem Baum würde keiner mehr reden. Ich rutschte aber nicht aus. Außerdem fror ich erbärmlich an den Füßen. Man zieht ja im Schnee keine Badelatschen an, auch Weihnachten nicht! Egal dachte ich, jetzt musst Du da durch. Oben angekommen, sah sich meine Frau den Baum an. „Immer das Gleiche mit Dir. Und hättest Du einen kürzeren Strick genommen, hättest Du Dir den Weg sparen können. Wieso hast Du ihn nicht einfach hochgezogen?“ „Männer“, rief sie aus. Ich wusste aus Erfahrung, dass sie damit nur mich meinte. Allein in diesem einen Wort war ein Wortschwall versteckt, bei dem manch männliches Sensibelchen lieber den Freitod gewählt hätte. Die erste Hürde war souverän genommen. Alles andere, Äste absägen, an anderer Stelle in vorgebohrte Löcher stecken und mit Klingeldraht festbinden, den „Baum“ anputzen war nur noch Kinderkram. Und er sah so schön aus. Unser Baum! Nur sah man relativ wenig von ihm, da ich gern richtig viel Lametta an die Zweige hängte. Als das Weihnachtsessen auf dem Tisch stand, strahlte meine Frau mich an und sagte: „Wie machts Du das nur, dass es Dir jedes Jahr gelingt, solch eine prächtige Tanne aufzutreiben?“ Diese Frage stelle ich mir auch jedes Jahr! DD/ 21.11.06/ M.R. |
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